in Ungarn 20. August, Begräbnistag und Nationalfeiertag
Patronat: Ungarn (Nationalheiliger); der Pferde
Um 969 in Gran (heute Esztergom, Ungarn) als Vajk, Sohn des Arpaden Géza, geboren, wurde Stephan als Kind von einer Missionsschwester christlich erzogen, etwa 994 getauft und 997 zum Fürst von Ungarn erhoben. 995 hatte er Gisela (Heilige) geheiratet, die Schwester des späteren Kaisers Heinrich II. (Heiliger), mit der er den Sohn Emmerich (Imre) hatte, der 1031 durch einen Jagdunfall ums Leben kam.
Zunächst konsolidierte Stephan sein Reich, indem er rivalisierende Stammesführer ausschaltete, darunter den Heiden Koppány und die orthodoxen Gyula und Aijtony. Schon sein Vater Géza hatte Missionare ins Land geholt; nun vollendete Stephan das Werk, bestrafte aufständische Heiden unerbittlich, stiftete Kirchen und Klöster, förderte vor allem die Benediktiner und andere Ordensbrüder im Land, führte eine christliche Verfassung ein und gründete mehrere Bistümer sowie die beiden Erzbistümer Gran und Kalocsa. Daneben vergaß er nicht, das traditionelle ungarische Brauchtum zu erhalten und zu fördern. Durch sein Wirken wurde Ungarn katholisch und nicht orthodox, was Konsequenzen bis in die Neuzeit haben sollte.
Seine weltliche Politik trug dieselbe Handschrift: Deutsche Ritter wurden an den Hof eingeladen, und Ungarn wurde in Grafschaften (Komitate) aufgeteilt, deren Fürsten zusammen mit den Bischöfen dem König in einem Thronrat zur Seite standen, die aber dennoch straff und zentralistisch von Budapest aus regiert wurden. In einem beispiellosen diplomatischen Balance und Meisterakt manövrierte er sein Land durch eine schwierige Zeit, indem er Begehrlichkeiten des Deutschen und des Byzantinischen Reiches zurückwies, ihre Einflüsse zwar gestattete, aber doch in ihrer politischen und kulturellen Wirksamkeit begrenzte. An Weihnachten des Jahres 1000 ließ er sich mit einer Krone, die ihm Papst Silvester II. hatte überbringen lassen, zum »Apostolischen König« krönen.
In wenigen Jahrzehnten waren so die Ungarn, deren Eltern noch als Steppennomaden an Donau und Theiß umhergezogen waren und später Deutschland, Italien und Frankreich in Angst und Schrecken versetzt hatten, im Kreis der mitteleuropäischen Völker angekommen und etabliert. Zahlreichen anderen nomadischen Völkern, etwa den Jazygen, Hunnen oder Awaren zuvor oder den Mongolen 250 Jahre danach, glückte dies nicht, und sie verschwanden aus der Geschichte, ohne viele Spuren zu hinterlassen. Der Unterschied lag im überwiegend bereitwilligen Akzeptieren der vorherrschenden Religion und bestimmter Aspekte der europäischen Kultur, ohne deswegen die eigene Identität aufzugeben. Stephan I. hat dies zwar nicht allein zu Wege gebracht, doch steht er für die Möglichkeiten eines Einzelnen, in einem gewissen Rahmen und in der richtigen Position den Lauf der Geschichte zu verändern bzw. zu prägen.
Am 15. August 1038, nach mehr als vier Jahrzehnten als Regent, starb Stephan I. und wurde in der von ihm erbauten Basilika von Stuhlweißenburg (heute Székesfehérvár) beigesetzt. Am 5. November 1083 erfolgte die Heiligsprechung durch Papst Gregor VII. (Heiliger) gemeinsam mit der Heiligsprechung seines Sohnes Emmerich (Imre).
Stephan ist Landesapostel und Schutzpatron Ungarns. Seine bis heute unverweste rechte Hand, die nach wechselvoller Geschichte in der St.-Stephans-Basilika in Budapest aufbewahrt wird, gilt in Ungarn als nationale Reliquie. Ebenso verehrt wird die Stephanskrone, wenn sie auch nicht mehr die originale, sondern ein 1075 in Byzanz gefertigtes Stück ist. 1945 geriet sie in die USA und ist erst seit 1978 wieder in Ungarn. Stephans Festtag ist in Ungarn der Begräbnistag, der 20. August, bis 1948 Nationalfeiertag, seitdem Verfassungstag.
Darstellung: als alter König; als Reiter; oft zusammen mit seinem 1031 verunglückten Sohn, dem Heiligen Emmerich (Imre)
Attribute: Krone (Stephanskrone), Zepter, Reichsapfel; Kreuz (Symbol für seine missionarische Tätigkeit)

Quelle: Herder-Verlag