orthodoxe Ostkirchen: 19. Juni
Patronat: England und Thüringen; Diözese Fulda; der Bierbrauer, Feilenmacher und Schneider
besonders verehrt in Fulda
672 oder 673 wurde Winfried (»Freund des Friedens«) in der Grafschaft Devonshire in Wessex in England als Spross einer Adelsfamilie geboren. Bereits mit sechs Jahren trat er ins Benediktinerkloster Adescancastre (Exeter) ein, sehr zum Missfallen seines Vaters, der für den Knaben eine weltliche Laufbahn vorgesehen hatte. Mit 30 Jahren wurde er Priester und arbeitete als Lehrer für Grammatik und Dichtung, schrieb Bibelauslegungen und Gedichte sowie die erste englische Grammatik der lateinischen Sprache. 716 brach er zur Mission der heidnischen Friesen auf. Durch den Krieg des fränkischen Hausmeiers Karl Martell gegen die Westfriesen war ihm wenig Erfolg beschieden und er kehrte bald darauf nach England zurück.
717 wurde ihm die Leitung des Klosters angetragen, was er aber unter Verweis auf seine Missionstätigkeit ablehnte. Bei seinem ersten Romaufenthalt 719 beauftragte ihn Gregor II. (hl.), als Heidenapostel in Hessen und Thüringen tätig zu sein, und stattete ihn – den Bräuchen der Zeit folgend – mit Empfehlungsbriefen und Reliquien aus. Hier soll er auch den Namen Bonifatius erhalten haben, nach anderer Quelle hatte er ihn bereits beim Eintritt ins Kloster gewählt.
Ab 721 begann Bonifatius seine Mission in Hessen und Thüringen, in diese Zeit fällt auch die Gründung des Klosters Amanaburch (Amöneburg bei Marburg). Nach dem Tod des Friesenkönigs Radbots konnte auch die Missionstätigkeit dort wieder aufgenommen werden, diesmal an der Seite des Bischofs Willibrord (hl.) und mit mehr Erfolg.
722 rief ihn der Papst nach Rom, weihte ihn am 30. November zum Missionsbischof (Episcopus regionarius) und schickte ihn 723 zurück mit der Order, die Kirche in Germanien zu ordnen. Bonifatius ging wiederum nach Hessen, wo sich die bekannteste der mit seinem Namen verknüpften Geschichten ereignet haben soll: In der Gegend von Geismar fällte er eine große, dem Donar geweihte Eiche, ein bedeutendes heidnisches Heiligtum. Aus dem Holz des Baumes errichtete er eine Kapelle, um die herum später das Kloster Fritzlar entstand. Weitere Klostergründungen erfolgten in Thüringen und Sachsen.
Davon beeindruckt, erhob ihn Papst Gregor III. (hl.) 732 zum Erzbischof und 738 während seines dritten Romaufenthaltes zum apostolischen Legaten (Legatus Germanicus) für das ostfränkische Missionsgebiet und erteilte ihm die Erlaubnis, Bischofssitze einzurichten. In der Folge wirkte Bonifatius zunächst in Bayern – wo er mit Unterstützung des Herzogs Odilo die vier Bistümer Freising, Passau, Salzburg und Regensburg neu organisierte – und später in Würzburg und Erfurt. 744 gründete er sein Lieblingskloster Fulda.
Einen eigenen Bischofssitz hatte er bis dahin noch nicht innegehabt. 745 scheiterte seine Berufung als Erzbischof von Köln am Widerstand des fränkischen Adels, 747 schließlich ernannte ihn Papst Zacharias, der im Jahre 741 auf Gregor III. gefolgt war, zum Erzbischof von Mainz.
In hohem Alter zog es Bonifatius noch einmal nach Norden, und er widmete sich erneut der Mission der Friesen. Während eines Überfalls am Fluß Borne bei Dokkum (heute Niederlande) wurde er am 5. Juni 754 zusammen mit 52 seiner Begleiter erstochen. Seinen Leichnam brachte man erst nach Mainz, später beerdigte man ihn in der Domkrypta in Fulda, wie es sein Wunsch gewesen war. Bald erfolgte seine Heiligsprechung, und in der Folge wurde die Grabstätte zu einem berühmten Wallfahrtsort.
Seine Reliquien spielen bei der jährlich abgehaltenen deutschen Bischofskonferenz in Fulda, die erstmalig 1867 stattfand, eine Rolle: Die Bischöfe werden beim feierlichen Schlussgottesdienst im Dom einzeln mit der Bonifatius-Reliquie gesegnet.
Bonifatius’ geschichtliche Bedeutung liegt in seinem Handeln als nachhaltiger Reformer und Organisator der fränkischen Kirche. Sein enger Kontakt zu den Päpsten und ihre Beauftragung bzw. Absegnung seiner Missions- und Verwaltungstätigkeit brachte (ohne handfeste politische und wirtschaftliche Interessen vernachlässigen zu wollen) Schritt für Schritt auch die Unterstützung des fränkischen Adels, ohne die die erreichten Reformen nicht durchsetzbar gewesen wären. Nach englischem Vorbild legte er besonderes Gewicht auf eine straffe Struktur und Verwaltung in den (neu-)christianisierten Gebieten, ein Aspekt, der den Karolingern die kommende Ausweitung des Fränkischen Reiches nach Osten erheblich erleichtern sollte.
Gleichzeitig leitete dies einerseits eine engere Bindung des fränkischen Adels bzw. des Königtums an Rom ein und verschob andererseits den Fokus päpstlicher weltlicher Politik in Richtung West- und Mitteleuropa, eine Entwicklung, die für das Hoch- und Spätmittelalter bestimmend werden sollte.
Früher als »Apostel der Deutschen« apostrophiert, steht heute eher Bonifatius’ gesamteuropäisches Wirken im Vordergrund. Sein 1.250. Todestag im Juni 2004 wurde mit zahlreichen Veranstaltungen in seinem Geburtsort Crediton, in Dokkum und Fulda begangen. Es wurde sogar ein Musical komponiert, das sein Leben zum Inhalt hat und seinen Namen trägt.
Darstellung: als Bischof im Ornat oder als Benediktinerabt im schwarzen Habit
Attribute: Mitra, Stab; Geißel (wegen seines unerbittlichen Vorgehens gegen unwürdige Kleriker und Bischöfe); Axt und gefällter Baum (weil er der Legende nach im hessischen Geismar die dem germanischen Wettergott Donar geweihte Eiche fällte und mit dem Holz eine dem Petrus geweihte Kapelle baute, um die sich das Kloster Fritzlar entwickelte); Schwert oder Dolch mit durchbohrtem Buch (weil er versuchte, sich mit dem Messbuch vor dem Dolchstoß seiner Mörder zu schützen), Quelle (an der Stelle seines Martyriums entsprang eine Quelle); Fuchs, Rabe (Begleiter)

Quelle: Herder-Verlag